Opferabo

Gedanken zum Opferabo
(Die Seite ist bei Gelegenheit zu überarbeiten: 140216)
Die zum Unwort erklärte Bezeichnung “Opferabo” stammt aus einem Interview des Spiegels mit Jörg Kachelmann, in dem dieser sich wiederholt die Frage gefallen lassen musste, was er denn der armen Frau Schreckliches angetan habe, dass sie derart lüge(!) Warum wurde dieser Frau nicht die Frage gestellt was sie denn Kachelmann getan habe, dass er sie hätte vergewaltigen sollen? Klar, das geht gar nicht. Dass es “genuin böse” Frauen gibt gilt heute als Majestätsverbrechen und Gotteslästerung in einem: Das Sakrileg schlecht hin! Sehr deutlich wurde die Exklusivität des weiblichen Opferabos auch im Fall Karl Dall: Ein völlig unbescholtener Herr von Mitte 70 wird sofort ins Gefängnis geworfen, lediglich auf die abstrusen Vorwürfe einer medien- und justizbekannten Lügnerin und Stalkerin. Die Staatsanwaltschaft argumentiert ernstlich, es könne aber doch so gewesen sein und das soll hinreichend sein einen Bürger für Jahre zu inhaftieren. Das Opfer, Karl Dall, gibt nach Haftentlassung zu Protokoll: Schlimm wäre was seine Familie, sprich Frau(!) zu leiden gehabt hätte, ja das Opfer ist auch hier weiblich. Ist wenigstens der Täter diesmal auch offiziell eine Täterin: Nein, natürlich nicht, weit davon entfernt, dass solche Hyänen von der Justiz behelligt werden macht das Opfer selbst sich zum Täter, zum Schuldigen: Er habe ja nicht mit der Frau auf sein Zimmer gehen brauchen. Und damit liegt natürlich auch die Schuld am Leid seiner armen Frau nicht bei dieser Fotzenfratze, sondern bei ihm. Nach dieser perversen Logik hat Karl Dall sich bei seiner Frau noch zu entschuldigen! Aber auch damit nicht genug: In widerlicher Pennälerinnenart zotet die Journaille noch über seine Potenz im Kontext einer zuvor bereits erfolgten Operation. Schutz der Intimsphäre? Persönlichkeitsrechte? Sind zu weiblichen Privilegien verkommen.

Die kachelmannche Opferabofrage und sein anschließend vergeblicher Versuch gegen das Unrecht anzukämpfen – ein Versuch der vergeblich sein musste, da dieses Unrecht nicht persönlicher oder zufälliger Art ist, sondern strukturell-gesellschaftlicher und grundsätzlich gewollt ist – ist eine Verhaltensvariante, die andere, von Dall in mustergültiger, ungewollter Tragikomik dargebracht, ist die Identifikation mit der Aggressorin bzw. den gewalttätigen herrschenden Strukturen. Heinrich Manns nach dem 1. Weltkrieg gemachte Feststellung ist grad wieder, at this very moment von besonderer Aktualität: „Der Untertan ist noch lange nicht tot“. Aber kann man’s den sich der Gewalt Duckenden verdenken? Was rät mann seinem (mutmaßlichen) Sohn, der mit Tränen der Wut ob der ungerechten Benotung vor einem steht?

All das spricht für sich selbst – und doch scheint’s wieder niemand zu hören. Was mag überwiegen? Die Schweigespirale oder die Masse derer, deren Wahrnehmung wieder mal nicht von der Realität oder gar der eigenen Betrachtung bestimmt wird, sondern von der herrschenden Ideologie?

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Dieser Abschnitt ist tonnenreif, aber das Beispiel WM 2011 sehr treffend: 140216
Das Opferabo ist ein aktuell allumfassendes gesellschaftliches Phänomen, demzufolge wLeute niemals für eigenes Scheitern, Versagen oder eigene Untaten (voll) verantwortlich gemacht werden, sondern sie stets noch als erstes Opfer selbst ggf. ihrer eigenen Untaten bedauert werden und gleichzeitig im Superweibreflex noch irgendwas zur Bewunderung konstruiert wird. Gut beobachten konnte / kann man dies an der allgemeinen medialen und politischen Einheitsreaktion auf das blamable, desaströse Abschneiden der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft als amtierender Weltmeister bei der WM 2011 im eigenen Land, nachdem sie zuvor das Maul enorm großtuerisch und „sexistisch“ aufgerissen: Dritte Plätze seien nur was für Männer, tönten sie …; siehe auch Glossar und gleichnamige Kategorie.
(zuletzt) geändert 140216

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