Das empathische Geschlecht

Frauen werden seit jeher gerne als empathisch bezeichnet komplementär zu ihrer Logikunfähigkeit  – während der eine Teil auf dem Index verbotener Geschlechtsstereotype weit oben steht, ist der andere Teil mehr denn je fester Bestandteil der öffentlichen Meinung. Beides ist jedoch gleichermaßen Ausdruck der klassischen Zuweisung angeborener Eigenschaften und daraus resultierenden gesellschaftlichen Rollen mit ihren besonderen Rechten und Pflichten.  Während männliche Privilegien hingegen längst abgeschafft sind,[i] werden weibliche meist bestätigt und bestärkt: Männer müssen arbeiten – Frauen müssen arbeiten dürfen (siehe Wehrpflicht oder die Sanktionspraxis der Jobcenter). Im Wesentlichen gab es die klassische Rollenverteilung mindestens seit Beginn der Zivilisation; umfassend gesellschaftsprägend kultiviert wurde sie jedoch erst mit Beginn und Etablierung des bürgerlichen Zeitalters im Verlauf des 19. Jahrhunderts in Romantik, Biedermeier und nicht zuletzt der Arbeiterbewegung (vgl. hierzu Für Gott und Vaterland oder die Apotheose des Weibes zur Frau).

Die DKV wirbt mit Weiblicher Empathielosigkeit
Weibliche Empathielosigkeit&Schadenfreude

Aber was ist dran an der sprichwörtlichen weiblichen Empathie? Tatsächlich kann in der heutigen Zeit jeder Mann sicher sein bei einem Unglücksfall auf nunmehr unverhohlene weibliche Schadenfreude zu stoßen. Das Foto zum Beitrag verdeutlicht wie sehr dies selbstverständlicher Standard geworden ist, da es gänzlich unreflektiert eine bundesweite Werbekampagne eines international tätigen Versicherungskonzern schmückt – denn eins kann den Verantwortlichen sicherlich nicht vorgeworfen werden: Dilettantismus, mangelnde Professionalität. Tatsächlich verhalten sich Frauen nur dann und soweit empathisch wie es von ihnen erwartet wird. In Zeiten in denen eine Plattheit wie Brave Mädchen kommen in den Himmel – böse Mädchen kommen überall hin außer ins Gefängnis bereits Methusalemstatus unter den Sprüchen hat, folglich die Aussage weithin abgesichert und mit 110% gefühlter Garantie versehen ist, ist Empathie Frauen nur noch obsoleter Ballast, der allmählich, sich zunächst zaghaft vortastend wie weit man ungestraft gehen könnte, abgelegt wurde; mittlerweile macht die weibliche Empathielosigkeit nicht mal vor den eigenen Kindern halt: „Wie mache ich den kleinen Kerl mundtot“  tönt es in einschlägigen Mütterforen, ist er dann schweigsam, wird ihm auch das vorgeworfen und die drauflos plappernde Schwester vorgehalten, bildet er dann Symptome, wird der „kleine Kerl“  massenhaft mit Methylphenidat ruhig- und kaltgestellt: 10% aller Jungen ereilt dieses Schicksal selbst in Deutschland, Tendenz auch hier weiter steigend (Quelle: BARMER GEK – Arztreport 2013). Spätestens jetzt verabschiedete sich auch der geneigteste Mann: Frauen zu kritisieren ist schon Tabu, doch der innerste Bereich des Tabus ist der Mutter-Mythos und damit auch schwerster Angriff auf die einzige kollektive Männerfantasie, der vom edlen Weib – Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Feminismus mit dem Mutter-Mythos aufräumen wollte, in dem sie die Frau gefangen sah. Jeder könnte es allerdings in seinem Umfeld bestätigt sehen, doch da greift die von den grad herrschenden Vorurteilen geprägte Wahrnehmung: Wer krumme Nasen sehen will, sieht krumme Nasen; und ebenso selbstverständlich sind Vorurteile nicht primär bei einzelnen Außenseitern, sondern stets im (v.a. offiziellen) Mainstream beheimatet, aber da beißt sich die Katze in den Schwanz. Wenn dann eine Mutter öffentlich ihren kleinen Sohn lieblos reglementiert oder anschnauzt, denken alle wie in einem Kopf: „Was hat die armtolle Frau es doch schwer mit diesem bösen Jungen“ In Österreich (EU) ist sogar eine „Kinderschänderin“, die einen 12-jährigen schwer missbrauchte zu einer kleinen Geldstrafe ausdrücklich unter der Vorstrafengrenze nur verurteilt worden mit der richterlichen Ermahnung, sie hätte dem Lüstling doch besser eine runtergehauen und im Übrigen sei er ja bereits zuvor mehrfach missbraucht worden, das nennt sich dann bei männlichen Kindern allerdings „sexuell erfahren“ – Beleg lieferte ich bei Bedarf nach.

Derart erschöpft sich weibliche „Empathie“ heute weitestgehend auf kollektives Selbstmitleid und -beweihräucherung. Ganz gleich was eine Frau macht, auch dann wenn es die übelsten Freveltaten der hiesigen Gesellschaftsordnung sind, sie will stets als Opfer wahrgenommen sein und auch darin noch mit einem Quäntchen Superweib: Was hätten etwa die mörderischen Uwes ohne die soziale Kompetenz ihres Frauchens gemacht, das allein die Fäden in der Hand hielt, das Sagen hatte – TARA! Es folgt der logische Salto Mortale –  und doch keine Verantwortung, Schuld waren allein die deppert-sinistren Männer, die ihr armtolles Frauchen zu morden zwangen: Keiner schreit auf…

Dass ihre ‚Feigheit‘ vor dem Tod dann noch geschwind in mutige Verantwortungsübernahme diametral umgedeutet wird, ist da nur noch zerebrale Peanuts, ungeachtet es ein allgemeiner Topos zur Kenntlichmachung des erbärmlichsten Feiglings ist, dass er jammernd und bibbernd vor dem Tod zurückschreckt; aber diese Konsistenzlosigkeit mag auch in der naturgemäßen Beurteilung des Suizides ausschließlich durch Nichtsuizidenten begründet sein. Trotzdem wird der Feigling im Fiktiven weiterhin durch seine Unfähigkeit zum Suizid gekennzeichnet, während es in der Realität der bürgerlichen Welt genau umgekehrt gehandhabt wird – ursprünglich quasi als Ächtung einer Art Sachbeschädigung am Humankapital zu Lasten des Kapitalnutzers. Eine der zahllosen Alltagsschizophrenien im Denken des normalen Menschen, für die es ’natürlich‘ noch ein paar weitere Gründe außer dem (bürgerlichen) Schutz des Eigentums an Produktionsmitteln gibt.

Nachtrag (18. 1.): Heute hörte ich im Vorbeigehen irgendwo im Radio, dass ein Gutachter wohl zur Erkenntnis gekommen sei, Frau Zschäpe sei mitnichten das hilflose Opfer, sondern im Gegenteil selbstsicher und wüsste genau was sie wolle und ließe sich nicht die Butter vom Brot nehmen (o.s.ä.): Ein echtes Superweib diese „Nazischlampe“! Oder eben das ubiquitäre Superweib-Opferabo-Kombiticket – mal ist das Superweib vorne mal das Opfer.


[i] Wo gibt es hier noch ein Gesetz, das zugunsten von Männern oder Jungen ist? Nein, und auch die informellen Strukturen sind nach 40 Jahren Frauenförderung und -parteilichkeit sowie 20 Jahren Gendermainstreaming längst schon nicht mehr geschlechter- sondern einzig frauengerecht. Hier prallt Realität auf staatlich massiv geforderte und geförderte „gefühlte Realität“, wobei dieser enorme staatliche und gesellschaftliche Druck die klassische Schweigespirale zunehmend in ein internales Denkverbot umwandelt.

(letzte Änderung: 180117)

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