Gräueltaten sogar an Frauen?

In Aleppo soll es wieder zu Gräueltaten an Zivilisten gekommen sein –
vielleicht sogar an Frauen. So wird es vom IRK und dem südkoreanischen UN-Generalsekretär beklagt als mögliche ungeheuerliche Steigerung der selbstverständlichen Gräueltaten gegen (männliche) Zivilisten, Zivilisten, die das Pech haben Nur-Zivilist zu sein, ohne Zivilistinnenschutz, der zwar nicht 100% schützt, aber weltweit um ein vielfaches wirksamer. Dem globalen Opferabo tut das indes in symptomatischer Vorurteilsmanier keinen Abbruch.

Gräueltaten an Zivilisten sind also schlimmer, wenn die Zivilisten weiblich sind: In einer fauligen Melange alter Kavaliersreflexe aus sogenannt patriarchalischen Strukturen erwachsen und der aktuellen „Hypersensibilität“ bezüglich weiblicher Nöte, werden momentan Menschenrechte in exklusive Frauenrechte aufgelöst. Wieder oder weiterhin soll es höher- und minderwertige Menschen geben, als ob es höheren und niederen Schmerz gäbe und nicht alle derselben Menschenwürde teilhaftig wären. Solange fast niemand annehmen will, dass Menschenrecht und Menschenwürde nur entweder ist oder nicht ist, es kein mehr oder weniger, kein „nur wenn, dann“ geben kann, wird stets Gewalt unter den Leuten sein. Erst wenn (an)erkannt wird, dass die Menschenwürde der schlimmsten Täter genau dieselbe ist, wie die der bedauerlichsten Opfer, wird Frieden eine Möglichkeit. Aber das will der Mensch nicht, denn er braucht Sündenböcke ebenso wie Objekte der Verherrlichung. Er will seine unscheinbare kleine Existenz aufgewertet sehen durch ein zu den Guten gehören; das geht aber kategorisch nur in einer Abwertung anderer. Und selbst der elendeste, versprengteste Einzelne braucht noch eine menschliche Projektionsfläche, die ihn mit Inbrunst ausrufen lässt: „Ich bin zwar Scheiße, aber so scheiße wie der da bin ich immerhin nicht! – Lyncht also nicht mich, sondern lasst uns gemeinsam den da aufhängen!“ Billigste Küchenpsychologie sind das Sündenbockkonstrukt und andere Mechanismen der „sozialen Intelligenz“ zur Überbrückung der Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wahrheit. Trotz Wohlstands- und Bildungsexpansion ist es jedoch zu keinerlei nachhaltigem Erkenntnisgewinn gekommen, sondern allenfalls zu einem Mehr an auswendig gelernten Phrasen, die nicht zuletzt wiederum der Dokumentation eigener Überlegenheit und v.a., durch die richtige Auswahl, der Zugehörigkeit zu den Rechtdenkenden dient. Wieder scheinen aufklärerisch-philanthropische Hoffnungen Illusion geworden…

(zuletzt) geändert 301216

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