Zeit-Ansichten : Vorurteil & Tabu

Offener Brief an einen Freund

Du empörst dich über einen Araber mit einer 14-jährigen Ehefrau, beschimpfst ihn politisch korrekt als Kinderficker oder ähnliches. Die Tatsache auszusprechen, dass die durchschnittliche 14-jährige längst kein Kind mehr ist, wird zu einem riskanten Unterfangen. Nicht hingegen empörst du dich über eine alte Schachtel, die gewohnheitsmäßig einen 13-jährige Jungen fickt und dafür nicht einen einzigen Tag in Haft kommt, sondern bei Maischberger als „cougar“ gewürdigt wird: Das geht links rein und rechts wieder raus, auch nach der X.-Wiederholung noch nie gehört, das passt nicht ins Schema der herrschenden Vorurteile; ganz anders die Mystifizierung und Dämonisierung des natürlichsten sexuellen Aktes, selbstverständlich nur in männlicher Gestalt. Eh! Das ist bloß Sex, kein großes Ding, da fügen sich lediglich zwei komplementäre, füreinander geschaffene Körperteile ineinander: that‘ s all. Hoffnungslos. Da hätte jemand 1914 auch Volk&Nation für läppsch erklären können.

Nicht empörst du dich, dass ein unbescholtener 15-jähriger in den Jugendknast geworfen wird, weil er eine 13-jährige Freundin hatte; und dass er dort an Heroin gekommen ist: selber Schuld! (zu dem Fall hatte ich Akteneinsicht) Und es reicht schon, wenn der Junge eine einzige Woche älter nur ist als das Mädchen, dass er praktisch zwangsläufig wegen schweren Kindesmissbrauchs eingesperrt wird, da gilt die vielmissbrauchte UN-Kinderrechtskonvention plötzlich nicht mehr. Ein 14-jähriger, der eine noch 13-jährige Freundin hat ist also ein böser Kinderschänder, während umgekehrt niemand auf die Idee kommt eine 14-jährige einzulochen: Immer wieder diese offensichtliche Verlogenheit und eklatante, anachronistische Dämonisierung des Männlichen, verkörpert im männlichen Glied: Völlig jenseits jeder Rationalität und daher so hochgradig gefährlich, getragen von Männern in Reflexen zwischen  Kavalierstum und Konkurrenz im Festhalten an der Fantasie vom edlen Weib, das es zu schützen gelte gegen das Böse im anderen Mann.

So wurde die Banalität des Vaginalakts, kaum das sie in den 1960er und 70er Jahren erkannt wurde, wieder aus dem Bewusstsein der Leute verdrängt durch eine ideologisch vergiftete Prüderie in einer absurden Mischung aus klassisch-romantisch verklärter(, heiliger) Jungfräulichkeit, bigott-bürgerlicher Sexualmoral und feministischer Männer- und Jungenhatz.

Aus dieser Irrationalität der Betrachtung der „natürlichsten Sache der Welt“ und der Staatsdoktrin vom weiblichen Opferabo resultieren dann die menschen(rechts)verachtenden Gesetzesverschärfungen im Sexualbereich gegen Männer und gleichermaßen gegen Jungen in der gesamten amerikanisch globalisierten Welt.

Fälle von tatsächlichem wie vermeintlichen Kindesmissbruch durch männliche Täter werden da ebenso zur androphoben Propaganda missbraucht wie die Silvestervorfälle. Die Silvesternacht war nur durch die Verquickung mit dem „Themenkomplex:Ausländer“ brisant, ansonsten war sie Politik, Medien und sogenannter Zivilgesellschaft höchst willkommen – weltweit. Nur wegen der Vermengung mit dem Flüchtlinsthema ging die allgemeine Hatz zögerlich los. Und das hat dich wie viele andere wütend gemacht; unter anderem diese Wut  wurde dann vom Politik-Medien-Geflecht zusätzlich ausgenutzt, um Gesetzesverschärfungen durchzuschleusen, die im Kern mit den Silvestervorfällen exakt nichts zu tun haben. Das zunächst Zögerliche ist dabei bloß die Folge der Kollision von zwei im Zeitgeist besonders geschützter Güter gewesen, Opferabo einerseits und Multikulti andererseits, das passiert in dieser Konstellation seit Jahrzehnten regelmäßig. Prominentes Beispiel ist der 20, 30 Jahre währende Konflikt um die radikale Ächtung jedweder Beschneidung von Mädchen, in dem einige (pro)feministische Gruppierungen die Ächtung als „Eurozentrismus“ und „Kulturimperialismus“ ablehnten. Fast über Nacht fiel die Entscheidung zugunsten der „Verstümmelungsfraktion“ und schlagartig wurden die Verfechter der Kulturimperialismusthese zu verabscheuungswürdigen Ketzer erklärt.

Schau doch mal in die Geschichte wie im Nachhinein der herrschende Zeitgeist ferner Zeiten oder ferner Länder betrachtet wird? Ja, gegen diesen fernen Wahnsinn wird jetzt mutig Farbe bekannt! In sicherer Verspätung. – Totschlagsphrasen hüben wie drüben: Damals war man Vaterlandsverräter, heute Sexist, Nazi etc.: Jede Zeit hat ihre Vorurteile, die durch  Tabus und Totschlagsphrasen geschützt werden. Alles klar. Dabei ist es „eigentlich“ allgemein anerkannt, dass die menschliche Wahrnehmung stark beeinträchtigt wird von den grad herrschenden Vorurteilen und Erwartungshaltungen – aber natürlich nicht im hier&jetzt.

Stell dir mal einen vernünftigen Vertreter der heutigen Zeit vor, der mit „seinen“ korrekten Anschauungen versetzt wird in die vergleichsweise moderate spätviktorianische Zeit von Imperialismus, Nationalismus, Kolonialismus, Militarismus und früherer Prüderie: Es gäbe für den heute Rechtdenkenden, dich oder auch mich, keine Zeitung, keine (öffentlich wahrnehmbare) Person, der man auch nur halbwegs beistimmen könnte. Und der heutigen Zeit wird es genauso ergehen: Fast alles Zeitgeisttypische wird einer Revision unterliegen, nur wenig wird bestätigt werden. Aber man ist heute ja so stolz, frei von Vorurteilen zu sein, frei von den Vorurteilen längst vergangener Epochen, freigemacht für die Vorurteile, Tabus und Totschlagsphrasen des hier&heute, wobei das „hier“ in der ideologischen Globalisierung dahinschwindet in einen multimedialen Einheitsmeinungsbrei: Brave new world für die Einen – nineteeneightyfour für die anderen.

Advertisements

Kommentar?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s