Androphobe machen`s ‚homophob‘

Irgendwann, gleichermaßen ewig wie kürzlich scheinend, kam die Homophobie über die westliche Welt. Nein, ich meine nicht die viktorianische Schwulenhatz, derentwegen der Welt das ein oder andere elegante Meisterwerk Oscar Wildes vorenthalten ist und auch nicht den Massenmord an Schwulen in der Nazizeit, dem mittlerweile staatlich festgelegt zuvörderst als Lesbenverfolgung zu gedenken ist, sondern ich meine diese Zeit der Erfindung von „homophob“ als politisches Schlagwort, als ideologische Totschlagsphrase mit der Andersdenkende nebenbei noch psychopathologisiert werden und diverse heterogene Haltungen auf krankhafte Abwehr- und Vermeidungsreflexe reduziert werden sollen. Abweichende Meinung und mithin ihre Träger als krank zu stigmatisieren ist eine im 20. Jahrhundert systematisch entwickelte, sehr effiziente Alternative und flankierende Maßnahme zur physischen Verfolgung. Das politische Feld der „Homophobie“, das derart vermint für jeden Opponenten des Mainstreams zur soziopolitisch tödlichen Falle wird, interessiert mich wenig; wobei ich es „den“ offiziellen Schwulen kaum verdenken kann sich als 5. Kolonne vor den feministischen Gender-Karren gespannt zu haben.

Alarmierend aber wie einem solch ungeniert ideologisch motivierten pubertären („homo“ steht in der Fremdwortbildung nicht für das jugendsprachliche „Homo“) Begriffssetzungsversuch in kürzester Zeit umfassender Erfolg beschieden war; „homophob“ Eingang in alle Parteien, Leitmedien und den Kanon der Einheitsmeinung fand. Höchst bedenklich auch, wie gedankenlos derart aus dem Hut gezauberte Bezeichnungen von den Medienkonsumenten einfach mal so übernommen werden; wie selbstverständlich immer weitere Meinungskomplexe vollständig ausgegrenzt, tabuisiert, ihre Vertreten geächtet in randständige Milieus abgedrängt werden, als ob Orwell nie Bestseller geschrieben hätte. Aber genau diese Milieus braucht die Gesellschaft, weniger als verkommenes Asyl für anrüchige Dissidenten, sondern als Projektionsfläche der „Gutmenschen“. Der Mensch kann sich nur groß, stark, schnell oder eben gut wähnen im Vergleich zu anderen, daher braucht es Leute zum Klein- oder Schlechtmachen. Dafür sind derlei Wortprägungen oder -besetzungen nicht nur zur Abwertung der anderen nützlich, sondern mehr noch zur bequemen Orientierung: Vernimmt man in seinem „persönlichen“ Lieblingsmedium der Einheitsmeinung jemand / etwas wird als „homophob“ bezeichnet, ist alles klar. Noch kuscheliger sind da irgendwelche, irgendwann von irgendjemandem über solch ein Medium auf den Index der verbotenen Worte gesetzte Begriffe, wie etwa die harmlose „Friseuse“, deren sprachlich korrekte Endung plötzlich für politisch inkorrekt erklärt wurde und sinnwidrig durch das deutsche Suffix am französischen Stamm ersetzt zu werden hat: Folgt jemand diesem Sprachdiktat nicht, wird der ins Abseits Gepfiffene in die Schmuddelecke gestellt und kann sich allenfalls noch zu anderen Parias gesellen. Und dies führt dann eben für die in sich selbst meinungslosen, überall&jederzeit guten Mainstreamler zu besagtem Kollateralnutzen, dass die Organisationen der Bösmenschen im Inneren wie im Äußeren nicht austrocknen und somit genügend (gegenseitige) Projektionsfläche bleibt die eigene moralische Überlegenheit zu konstruieren: Fast muss man meinen, Nazis&Co stünden komplett auf der Gehaltsliste von Staat und „Antifa“.

Projiziert wird fleißig im Namen von Gender, wobei neben guten und bösen Worten auch wieder verstärkt Sündenböcke und Prügelknaben produziert werden,[1] auf die alles (eigene) Schlechte bequem abgeladen werden kann. So ist nicht „Homophobie“, sondern die beinahe bedeutungsgleiche Androphobie die spezifische Vorurteils- und Abwehrhaltung der gegenwärtigen Epoche und ist sie besonders virulent bei denen, die andere als homophob diffamieren. Dabei liegen der kollektiven Androphobie tatsächlich vorrangig Ängste, Aversionen und Aggressionen zugrunde, ob der überlegenen physischen und (bisher) auch kreativen Kraft des (anderen) Mannes, aus der die gesamte menschliche Kultur im komplementären Wechselspiel schöpferischer und zerstörerischer Impulse geschaffen wurde: Eros und Thanatos. Die Feststellung, dass die menschliche Kultur aus männlichem Schaffen hervorging, wirkt im gleichen Maße empörend, lächerlich (…)  wie sie offensichtlich, „eigentlich“ unbestreitbar wahr ist und dies wiederum mag so nebenher die These von der Ubiquität der Androphobie sowie ihrer auch phobischen Natur belegen können.

Aber das Wesen der herrschenden Androphobie zu erfassen bleibt späteren und klügeren Betrachtern vorbehalten – sofern es sie noch geben mag, denn die destruktiven Geister, die notwendig im Kreativen enthalten sind (Eros&Thanatos), werden nicht von Zauberlehrlingen auf Augenhöhe in Quotenreservaten zu bannen bleiben.


[1] Da ich keine einschlägigen Massenmedien konsumiere, fehlt mir die aktuelle Detailkenntnis, aber ich gehe stark davon aus, dass mir Herr Trump auch mit aller Männersolidarität kaum sympathischer sein dürfte als seine feministische Konkurrenz, aber das macht die widerliche Kampagne gegen ihn, die ich bei GMX seit Monaten genießen darf (als ob wir ihn hier im alten Europa mit ein paar Klicks „mundtot“ machen könnten) nicht genüsslicher: In penetrantem Dauerbeschuss wird einem dort pennälerhaft eine absurde Auswahl grotesk-abstoßender Fotodarstellungen geboten, die in ihrer Überzeichnung den Ausschnitten des NS-Films „Der ewige Jude“ ähnelt; dergleichen war auch schon um 2013 bei einer Radiocollage des Bayrischen Rundfunks gegen Antifeministen festzustellen. Die Entmenschlichung des Meinungsgegners wird wieder selbstverständlich, wie etwa in Kiyaks „sabbernde Menschenkarrikatur“-Pöbelei gegen Sarrazin: reinrassiges Nazisprech. Nein! Was von Sarrazin zu halten sein mag, muss dabei letzthin egal sein, (vgl. tag Menschenrecht). PS: Falls es Gesindel, Gesocks oder eben Menschenkarrikaturen geben sollte, so werden sie allenfalls unter denen zu finden sein, die andere so bezeichnen – auf staatlicher Ebene gilt dies tendenziell bei Schurkenstaaten ähnlich.

Die Lust zur Zerstörung ist eine schöpferische! (frei nach Bakunin[s Übersetzer]).

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