Vom Menschen- zum Frauenrecht (I)

Als vor drei Jahren in Simbabwe eine neue Verfassung erlassen wurde, in der kategorisch festgelegt, dass die Todesstrafe nur noch gegen Männer verhängbar ist, bejubelte amnesty international dies als einen großen Erfolg für die Menschenrechte. Man braucht sich nicht in die Abgründe abstrakter Betrachtungen zu stürzen, um die heimtückische Verlogenheit dieser Sichtweise zu erkennen; auch hier reicht wieder vollauf das Universal-Hausmittel der Wahl, nämlich einfach sich den jeweils gegebenen Sachverhalt mit umgekehrten Geschlechter-Vorzeichen vorzustellen. Diese Vorgehensweise ist unter den Paradigmen von Gleichstellung und Geschlechtergleichheit nicht nur legitim sondern auch geboten: Ein Land bestimmte in der Verfassung die Todesstrafe sei nur gegen Frauen anwendbar – Stille – schlicht unvorstellbar. Wer sich anschließend doch noch auf die Reise in die Unwägbarkeiten der Abstraktion begeben will, muss feststellen, dass dieser Verfassungspunkt nicht mehr und nicht minder als die Ersetzung und somit „Abschaffung“[1] der Menschenrechte bedeutet. Denn neben der angeborenen Unveräußerlichkeit ist die ausnahmslose völlige Gleichrangigkeit, Gleichgewichtigkeit aller Individuen vom ersten bis zum letzten Atemzug ein unabdingbares Wesensmerkmal der Menschenrechte – ja richtig, ein Herr Hitler zählt genau so wie ein un- oder neugeborenes Kind (der Teufel liegt im Detail: un/neu) oder landläufiger „der Kinderschänder“ hat exakt die selbe Würde wie sein Opfer (während die Kinderschänderin bei Maischberger ihr bloß männliches Opfer vorführen darf, um sich als „cougar“ zu feiern: [selbstzensur] – und genau dies wird hier negiert, die Gleichrangigkeit aller Individuen: Wieder mal wird in Menschen besonderer auf der einen Seite und solcher nur allgemeiner Schutz- und Rechtswürdigkeit andererseits unterschieden, dies bedeutet nichts anderes, als Menschen in höher- und minderwertig zu unterteilen, nein natürlich nicht: macht doch niemand – doch genau das passiert; noch genauer betrachtet geschieht dies schon dann, wenn jemand eine ihm liebe Person als besonders liebenswert oder wertvollen Menschen charakterisiert: wertvoll impliziert da zwangsläufig den weniger wertvollen, auch hier die Unterteilung in höher- und minderwertige Menschen. Ach, quatsch, das ist doch normal! Genau! Genau so normahl wie Gulags, Massenmord sowie die unzähligen kleinen und großen Bosheiten im Alltag es sind. Aber genug mit Strohmann-Monologen und zurück nach Simbabwe, wo anscheinend Frau Mugabe ihren Mann beerben will, wenn ich eine Schlagzeile richtig aufgefasst habe. Dort in Simbabwe wurden durch diese Verfassung ganz offen Frauenrechte über Menschenrechte gestellt und diese somit wie dargelegt aufgehoben. Da ich Konsequenz mag, muss ich Mugabe&Co Respekt zollen, denn sie haben lediglich schriftlich fixiert was eh fast überall spätestens seit der Jahrhundertwende Praxis ist: Im Mutterland von moderner/m Todesstrafe und Feminismus liegt die Frauenquote bei den Vollstreckungen seit langem unter 1% (>99% der (dort) Hingerichteten sind Männer – oder Jungen(!): DAS ist ein „Gender-Gap“). Dieses Gender-Gap ist umso skandalöser und menschenverachtender unter Berücksichtung der Auflösung alter Geschlechterrollen und damit einhergehend dem Anstieg des weiblichen Täteranteils bei Tötungsdelikten. Sogar gemäß der Urteile der Genderjustiz soll diese Rate mittlerweite deutlich über 10% liegen, während das Verhältnis der entsprechenden Quoten vor dem faktischen Vollstreckungsmoratorium (1967-76) deutlich angemessener war, also der Anteil an den Tötungsdelikten war nur um ein noch halbwegs vernünftig begründbares Maß höher als der Anteil an den Hinrichtungen.

Aber diese Höherbewertung von weiblichem Leben und Leid ist bei amnesty international, Politik und Massenmedien nach Altvätersitte im Neumütterwahn eine unkritisierbare Selbstverständlichkeit und geht reibungslos Hand in Hand: meist staatlich finanzierte, oft auch initiierte „NGOs“ geben das Stichwort, etwa der Bericht von ai zur Menschenrechtslage im Irak 2012/13, die „Leitmedien“ allen voran auch hier der Spiegel puschen es gendergerecht verzerrt und die Politik vernutzt es nach jeweiliger Couleur, die aber kaum noch unterscheidbar ist. Und im Ergebnis werden dann aus 96% männlichen politischen Gefangenen (vermute die tatsächliche Zahl eher noch höher) und (fast) ausschließlich hingerichteten Männern ein neues Kapitel der unendlichen Geschichte von Gewalt gegen Frauen. Wobei die Zahlen von 95-99% männlichen Gefangenen weltweit schon selbst zusammenzurechnen sind, denn ausdrücklich drauf hingewiesen wird nie. Aber wenn von x hingerichteten Personen die Rede ist, wird es sich grundsätzlich eh nur um Männer handeln: Nicht der Rede wert, während für jede einzelne von der Todesstrafe bedrohte Frau Kampagnen geführt werden. Und natürlich hängt auch im hiesigen ai-Büro ein Propagandaplakat mit einer toughen Frau, die einer Menschenpyramide des zivilen Widerstandes für Menschenrechte voran schreitet. Angesichts des geringen Frauenanteils unter politisch Inhaftierten&Gemordeten muss sie wohl auch sehr schnell sein, wenn es darum geht den Männern Platz zu machen, sobald es gefährlich wird. Dies hindert die GEW aber nicht in offiziellen Verlautbarungen den Schulkindern und der Öffentlichkeit das Gegenteil einzubläuen: Überall in der Welt gehe positive Veränderung von Frauen aus: Was für ein androphober Sexismus! was für eine unverschämte Lüge! und was für ein entlarvendes Schweigen, denn niemand widerspricht!

Männer werden von der ISIS (der wiederholten Namenswechslerei müde) geköpft, massenhaft gefoltert und ermordet: Randnotiz. Im Mittelpunkt steht stattdessen die Frage, ob Mädchen am Schulbesuch gehindert oder Frauen verschleiert gehen müssen. – Das Weihnachtsfest 2011 erlebten 13 Männer in Ägypten nicht mehr, weil von Sicherheitskräften öffentlich totgeprügelt. Frau Clinton, und mit ihr der globale öffentliche Einheitsbrei (s.o.: Politik, Medien, „NGOs“/“Zivilgesellschaft“, empörte sich tagelang über zwei blaue Flecken verteilt auf zwei anscheinend Sicherheitskräfte gezielt provozierende Demonstrantinnen. Die Beispiele könnten fast beliebig erweitert und aktualisiert werden.

Ende (TEil 1) – Dieser Tage oder Jahre werde ich die Degeneration von Menschen- zu Frauenrechten auf der deutschen Bühne fortsetzen. Mutmaßliche Darsteller sind: eine abgehalfterte Ex-Drogenalte (M.Dyckmans), die vermutete Unschuld, tatsächliche und vermeintliche Väter und als besondere Zeitgeistattraktion vielleicht sogar: TARA: Die permapubertären TAZen-Männer, obwohl: die verdienen eindeutig einen eigenen Beitrag, allein schon der Parlamentsclown, der jammernd ausrief (paraphrasiert): Wir Männer können uns doch nur ändern (so wie die Frauen dies zu wünschen vorgeben), wenn die Frauen dies auch zu lassen! (die aber lieber mit „Machos“ vögeln). Ihm sei Johann Caspar Schmidt empfohlen: Nur wer sich die Freiheit nimmt ist ihrer würdig! (anscheinend auch nur Paraphrase, Kolportage: Jedenfalls findet Google es nicht – und meine Reclam Ausgabe vom Einzigen ist doch tatsächlich ohne integrierte Volltextsuchfunktion: Noch ein Skandal!) Nachtrag: Jetzt habe ich selber schon versucht pennälerhaft zu witzeln.

Fortsetzung hier


[1] Abgeschafft können Menschenrechte selbstverständlich nicht werden, denn sie existieren ja gar nicht bzw. nur im Bewusstsein von Menschen, stellen lediglich ein ethisches Postulat dar, das anerkannt werden kann – oder eben nicht. Letzteres geschieht wieder zunehmend, auch wenn es nur selten offen vertreten wird, im Gegensatz etwa zu tatsächlichen Nazis; ein Umstand der nahelegt, dass den Meisten aller Bildungsschichten derlei zivilisatorische Werte tatsächlich nicht mehr als ein Zeitgeist-Gewand sind. Dies drückt sich dann in so schöne Smalltalk-Blüten aus wie: „Aber sicher bin ich gegen die Todesstrafe, außer…“ – Der alte Bentham (1748-1832) hat auf rein rationaler Grundlage natürlich völlig recht, wenn er Menschenrechte als „Unsinn auf Stelzen“ (nonsense upon stilts) [zitiert nach momentaner Wikipedia] bezeichnete. Aber auf dieser Grundlage ist die menschliche Art, vom Individuum zu Schweigen, gänzlich irrelevant, sinnlos, nichtig, ja und sogar, um es mit einem meiner Lieblingswörter zu sagen eine minimum hundertprozentige Futilität – was aber kein Argument ist. Die ewigen und unendlichen Weiten von Zeit und Raum dürften eher geringes Verständnis für Menschenrechte aufbringen.

(Letzte) Überarbeitung: 070216

Mal eine kleine Linkliste – weitere Medienberichte zu den Themen leichtest googlebar:

ai-Site zur Todesstrafe (auch hier natürlich ein Demo-Foto, in dem nur ganz am Rande als Plakathalter Männer vorkommen; nebenbei ist die Satzung von ai schon seit vielen Jahren, lange vor der UNI Leipzig&Co strikt von allem männlich Anmutenden gesäubert und konsequent im „generischen Femininum“ gehalten)

Statistik-Seite zur Todesstrafe in den USA

exemplarischer Spiegelartikel zum ai-Bericht Irak

Werbeanzeigen

4 Gedanken zu „Vom Menschen- zum Frauenrecht (I)

Kommentar?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s